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Carpinteria Maderas y Afines Erfahrungsbericht

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Erfahrungsbericht von Martin L.
Unternehmen: Carpinteria Maderas y Afines
Stadt: Córdoba
Land: Argentinien
Branche: Handwerk & Produktion
Unternehmensbereich: Zimmermann auf Walz
Vermittler/Organisation: PractiGo
Zeitraum: Juli 2005 bis Oktober 2005
Bewertungen:
Aufgaben/Inhalte:  (0.7)
Arbeitsklima:  (0.7)
Leben:  (0.7)
Bezahlung:  (0.7)
Nutzen/Referenz:  (0.7)
Durchschnittsbewertung:  (0.7)
Bericht:
1. Ablauf des Auslandsaufenthaltes
Organisiert war der Aufenthalt von einer deutschen Firma,
Praktikumsvermittlung.de. In dem Angebot waren enthalten:
Intensivsprachkurs Spanisch
Unterbringung in einer argentinischen Familie
Praktikumsplatzsuche

2. Sprachschule
Es war für mich der erste Kontakt mit der Sprache spanisch. Die ersten beiden
Wochen waren daher etwas mühsam, da einem einfach das Vokabular fehlt.
Mein großer Vorteil war der Aufenthalt in der Familie, die kein deutsch und
englisch konnte und ein grandioser Spanischlehrer.

In meiner Gastfamilie konnte ich das gelernte sofort anwenden und lernte auch schnell das nötige Vokabular für die alltäglichen Dinge. Nach etlichen gemalten Bildchen in der Anfangszeit bei meiner Gastfamilie, hunderten von Vokabelkärtchen und tausendfachem Nachschlagen im Wörterbuch, kann ich jetzt von mir behaupten, dass ich mich sehr gut auf spanisch Verständigen kann.
Die Sprachschule habe ich sieben Wochen lang besucht, sechs Stunden täglich.

Der Unterricht fand in kleinen Gruppen statt. Mein Sprachlehrer war mit 23
Jahren noch relativ jung und konnte aus eigener Erfahrung eines
Auslandsaufenthaltes, mir und den anderen Sprachschülern sehr gut
weiterhelfen, vor allem in der Anfangszeit. Er konnte sich leicht in unsere
Situation versetzen, da er ein Schuljahr in den Vereinigten Staaten verbrachte,
ebenfalls ohne anfängliche Sprachkenntnisse.

Für uns war es auch ein Plus verschiedene grammatikalische Fälle nochmals in Englisch erklärt zu bekommen, oder einfach in einer gemeinsam bekannten Sprache Dinge nachzufragen. Gegen ende des Sprachkurses versorgte er mich mit
fachspezifischen Vokabeln, welche sich während des Praktikums als sehr
nützlich erwiesen, da mein kleines Wörterbuch bei gewiesen Sachen, wie zum
Beispiel Stemmeisen, Gabelschlüssel, Stossaxt, etc. mir nicht weiterhelfen
konnte.

Aufgrund seiner Motivation und eigenen Interesse an Europa und Deutschland, war der Unterricht nicht zu selten nach sechs Stunden noch nicht vorbei und endete ab und zu im Zentrum Cordobas in einer Studentenkneipe.
Wo man viel über das Leben der jüngeren Generation, speziell bei seinen
Studienkollegen, in Argentinien erfahren konnte.

3. Die Gastfamilie (die Mazzonis)
Das gute an einer Gastfamilie ist, im Vergleich zu einem Studentenwohnheim,
dass man die Möglichkeit hat einen hautnahen Einblick zu bekommen in das
familiäre und kulturelle Leben des fremden Landes und natürlich auch einen
kulinarischen. Meine Gastfamilie bestand aus sieben Teilen, den Eltern, drei
Söhnen, einer Tochter und der Hündin Ruja, mit der ich schnell Freundschaft
schloss. Die drei Söhne waren schon verheiratet, hatten Kinder und lebten in der näheren Umgebung. Jedes Wochenende gab es ein typisch argentinisches
Grillfest, das Asado, bei dem die ganze Familie zusammen kam und viel erzählt
wurde und ich vieles über das Leben in Argentinien erfahren durfte. Ich hatte ein Zimmer mit Bett und Schreibtisch für mich. Das schönste für mich war der
Orangenbaum im Garten hinter dem Haus, wo ich mich nach Herzenslust
bedienen konnte.

4. Meine Praktikumsstelle
Nach sieben Wochen Sprachkurs war es dann soweit, in einem Vorort von
Cordoba, Mendiolaza, befand sich die Zimmerei. Am ersten Tag wurde ich von
einem der beiden Firmenbesitzer durch den Betrieb geführt und mir wurde
überlassen in welchem Bereich ich arbeiten wollte. Die Arbeitszeit war von
morgens 8.00 Uhr bis abends um 19.00 Uhr mit einer Stunde Mittagspause.

Ich sollte den ersten Tag ganz mitarbeiten und danach entscheiden, ob ich morgens oder mittags jeweils fünf Stunden arbeiten wolle. Letztendlich habe ich
tagtäglich die zehn Stunden mitgearbeitet und auch wie alle anderen noch
Samstag halbtags. Anfangs war ich mit einem Kollegen zusammen und erledigte
mit ihm die anfallenden Aufträge, nach eineinhalb Wochen arbeitete ich
selbstständig. In der Werkhalle waren wir neun Mitarbeiter, wovon vier ständig
mit dem Abrichten von Holzbalken beschäftigt waren und zwei weitere für das
riesige Holzlager.

Der Rest der Mitarbeiter und auch ich, waren damit beschäftigt in erster Linie Möbelstücke herzustellen. Hinzu kamen noch andere Auftragsarbeiten für Kunden oder An- und Abrichtarbeiten für eigene Baustellen des Betriebes. Ich wurde vom ersten Tag an sehr gut aufgenommen in der Zimmerei. Hatte während meiner ganzen Praktikumszeit viel Spaß und konnte mir vor allem bei einem der älteren Mitarbeiter einige Tricks im Umgang mit Holz abschauen.

Auf Spanisch nennt man den Zimmermann „carpintero“, was aber genau so für
Schreiner verwendet wird. Das Arbeitsfeld des „carpintero“ dort, ist also etwas
breiter gefächert, sprich von Möbelbau bis Dachstühle, etc.

Allerdings muss man erwähnen, das Argentinien nicht eine sehr große Holztradition im Häuserbau hat. Einerseits wegen den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, vergleichbar mit Spanien und andererseits wegen des geringeren Holzvorkommens. Der typische Haustyp ist das Steinhaus, da es in den
überwiegend heißen und trockenen Monaten des Jahres ein angenehmeres
Wohnklima bietet und die Brandtgefahr weitaus geringer ist.

Ein vergleichbares Ausbildungssystem, wie in Deutschland, gibt es in
Argentinien nicht. Die Erfahrung im Umgang mit Holz wird von Generation zu
Generation im Betrieb weitergegeben. Im praktischen Umgang mit Holz konnte
ich daher viel mitnehmen, sei es bei Verleimtechniken oder in der Handhabung
des einfachen Hobels. Am interessantesten war allerdings das Arbeiten mit
Tropenhölzern. Die Farben- und Geruchsvielfalt der Hölzer ist unbeschreiblich.
Es war auch eine schöne Erfahrung für mich, einmal in den Möbelbau
hineinzuschnuppern.

Wenn ich jetzt Argentinien höre, denke ich als erstes an Tango, Fußball und die besten Steaks der Welt. Es ist ein riesiges Land das landschaftlich soviel zu bieten hat und kulturell sehr geprägt ist im Osten durch die europäischen Einwanderer, aber im Westen in der Nähe der Anden, teile der indianischen Vorfahren überlebt haben.

Argentinien ist seit der großen Wirtschaftskrise 2001 noch immer am Boden. Als Europäer war das Leben dort sehr günstig, aber es war traurig zu hören wie viele Menschen in einer Nacht ihre ganzen Ersparnisse von ihren Bankkonten verloren. Die Städte sind geprägt von Bauruinen und der größte Teil der Bevölkerung hat mit der Armut zu kämpfen. Trotz dessen, sind die Menschen, europäischer Herkunft oder indianischer, offenherzig gastfreundschaftlich, interessiert und immer mit einem lächeln anzutreffen.

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