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Freie Journalistenschule Erfahrungsbericht

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Erfahrungsbericht von Martina K.
Hochschule: Freie Journalistenschule
Stadt: Johannesburg
Land: Südafrika
Studiengang: Journalismus
Studienart: Fern-/Onlinestudium
Vermittler/Organisation: World of XChange
Zeitraum: März 2007 bis Mai 2008
Bewertungen:
Studieninhalte:  (0.7)
Studienbedingungen:  (0.7)
Leben:  (1.7)
Fun:  (0.7)
Kosten:  (0.7)
Nutzen/Referenz:  (0.7)
Durchschnittsbewertung:  (0.8)
Bericht:
Als freie Journalistin in Südafrika


Durchhaltevermögen, Flexibilität und Geduld sind wohl Vorraussetzung in jedem Land, wenn man sich als freier Journalist bewähren möchte. Erstens gibt es ohnehin schon viel mehr abenteuerlustige Deutsche in fremden Ländern, als man sich das so erhofft. Zweitens hat auch das Land selber ja nicht unbedingt nur darauf gewartet, einen neuen, unter Umständen kritischen, ausländischen Journalisten zu beherbergen. Doch nur Mut, die Mühe lohnt sich auf jeden Fall! So ist es jedenfalls mir in Südafrika ergangen, mittlerweile bin ich als Journalistin fest angestellt und habe einen weitaus schöneren Job, als ich ihn wohl in Deutschland bekommen hätte. Allerdings galt es auch einige Opfer zu bringen …

Ich kannte Südafrika schon einige Jahre von Studien- und Praktikumsaufenthalten – und hatte Land und Leute lieben gelernt. Als sich dann auch noch herausstellte, dass die nächste Fußballweltmeisterschaft am Kap stattfinden würde, war für mich klar: Da möchte ich dabei sein! Das Land sollte meine ganz eigene journalistische „Nische“ werden. Doch wo beginnen? Ein paar Tipps …


Arbeitsvisum & Nebenjob
Hier gibt es die erste große Herausforderung. Als „Tourist“ darf man sich in Südafrika drei Monate lang aufhalten. Falls Ihr nach dieser Zeit jeweils wieder in die Heimat reist, nachweislich auch dort Eurer journalistischen Arbeit nachgeht, dürfte dem nichts einzuwenden sein. Auf Dauer ist das natürlich keine Lösung. Arbeitsgenehmigungen sind sehr schwierig, da im ehemaligen Apartheidstaat noch das Gesetz der „Affirmative Action“ hinzukommt – Ihr also verständlicherweise immer beweisen müßt, dass Ihr keinem Südafrikaner eine Arbeitsstelle wegnehmt. Falls es das Budget hergibt, rate ich unbedingt zur Unterstützung durch eine professionelle Immigrationsfirma.

In der Natur der Sache liegt, dass ihr in der Anfangszeit als „brotloser“ freier Journalist mit einem Nebenverdienst gut beraten seid. Hier solltet Ihr nicht zu zimperlich sein – gerade in der „Traumstadt“ Kapstadt stehen die deutschen Auswanderer bei der Jobsuche Schlange. Ein Nebenjob, so mies er auch ist, gibt Euch allerdings neben einem finanziellen „Puffer“ für eventuell flaue Monate die Möglichkeit, über diese Firma ein Arbeitsvisum zu beantragen. Das habe auch ich am Anfang gemacht – und so sehr ich auch über die Jobs geschimpft habe, ohne diese Sicherheit in der Anfangsphase hätte ich mir mein Ziel niemals ermöglichen können.

Mittlerweile arbeite ich auf der Basis von „Exceptional Skills“, das solltet ihr unbedingt anvisieren, denn so seid ihr weder an eine Firma noch Euren südafrikanischen Lebenspartner (ja, auch so habe ich mich zeitweise durchgeschlagen) gebunden – dies ist allerdings als Neuankömmling nahezu unmöglich. Das journalistische Handwerk, auch noch auf Deutsch, zählt in Südafrika eben nicht zu den „lebensnotwendigen“ Talenten, wie sie Ingenieuren oder Ärzten zugeschrieben werden mögen. Natürlich zahle ich mittlerweile auch südafrikanische Steuern, bin hier im Land krankenversichert usw. Seid Euch also bewußt, dass Ihr für eine „Karriere in Afrika“ einen großen Teil des deutschen Sicherheitsdenkens aufgeben müßt.

Infos zu Visa und Einreisemöglichkeiten findet Ihr im Internet auf den Seiten der zahlreichen Immigrationsfirmen.


Fernstudium Fachjournalismus – „in touch“ mit Deutschland
Im Nachhinein sehr dankbar bin ich dafür, von Südafrika aus ein Fernstudium bei der „Freien Journalistenschule (www.freie-journalistenschule.de)“ in Berlin gemacht zu haben. Das hat perfekt gepaßt. Nicht nur hatte ich in Zeiten mit wenigen – oder nur begrenzt Selbstwertgefühl aufbauenden – Aufträgen und Projekten eine sinnvolle und interessante Beschäftigung. Auch habe ich durch das Studium viel dazugelernt und konnte viele handfeste Dinge für das Leben als „Freie“ gebrauchen. Ich kann dieses Fernstudium nur empfehlen für diejenigen, die bereits mit einem Fuß im Leben stehen.

Das Studium an der Freien Journalistenschule ist ein Aufbaustudium, das heißt ihr benötigt eine Erstausbildung oder einen Universitätsabschluß. Dementsprechend sind die Kurseinheiten recht schwierig und sehr präzise – ihr fangt eben nicht bei „Null“ an. Das hat mir persönlich sehr gefallen: Es ist anspruchsvoll und trotzdem nicht verbunden mit endloser Sekundärliteratur, Tutorien und sonstigem zusätzlichen Zeitaufwand. Wer motiviert ist, kann einfach loslegen. Aus einer breiten Auswahl von Kursen wählt man eine Mindestanzahl. Angeboten werden sowohl Kurse für journalistisch Unerfahrene als auch weiterbildende Kurse für diejenigen, die bereits im Journalismus tätig sind.

So waren für mich besonders die Kurse zu „Begleiterscheinungen“ wie Presserecht, Selbstmarketing oder Medien-Ökonomie sehr nützlich. Die Verfasser der Kurse sind Journalisten und Journalismus-Dozenten von unterschiedlichen deutschen Universitäten. Hilfreich für mich war auch die Einführung in Hörfunk- und Fernsehjournalismus. Denn siehe da, mittlerweile bin ich vom Print zum Fernsehen gewechselt und konnte durch das Studium wenigstens ein gewisses Basiswissen über Struktur und Praxis des Rundfunks in Deutschland vorweisen.

Meine Sorge um die Realisierbarkeit des Ganzen – immerhin sind Berlin und Südafrika tausende Kilometer entfernt – war völlig unbegründet. Das Lehrmaterial erhielt ich auf dem Postweg, die jeweiligen Hausarbeiten und Aufgaben konnte ich per Fax oder E-Mail einreichen, Korrekturen gab es eingescannt per E-Post. Via Internet-Chat oder E-Mail-Kontakt gab es nützlichen Austausch mit Kommilitonen oder Tutoren. Und natürlich gibt es Hilfestellung in Form von empfohlener Literatur. Ihr könnt die Schule im Internet finden: www.freie-journalistenschule.de.


An die Arbeit: Kunden und Netzwerk
Unbedingt solltet Ihr vor Eurer Abreise schon einmal in Deutschland „Klinken putzen“. Zeitungen, Radiosender oder andere Medien, für die Ihr schon gearbeitet habt, bieten sich natürlich an. Aber auch bei neuen potentiellen Kunden solltet Ihr Euch vorstellen mit der Ankündigung, in Zukunft gerne Themen aus Südafrika anzubieten.

Hier achtet auf die spezifischen Interessen des Mediums: Ob Sport, Politik oder auch fachjournalistische Themen (siehe vorangehender Absatz) wie zum Beispiel Telekommunikation, Kultur oder Umwelt. Die „Hard News“ decken die kleineren Medien meist mit Agenturmeldungen ab, die größeren Medien haben häufig Korrespondenten. Ihnen macht ihr nur unnötige Kosten. Findet eine Nische! Mit relevanten und spannenden Südafrika-Themen, die ihr auf die Interessen des jeweiligen Kunden maßschneidern könnt, seid ihr mit großer Wahrscheinlichkeit im Geschäft.

„Choose your attitude“: Geholfen hat mir, dass ich eigentlich nie „Nein“ gesagt habe, solange ich mit Honorar und Thema einigermaßen leben konnte. In den Lebenslauf packt Ihr selbstverständlich nur die Glanzstücke – doch auch kleine, prestige-lose und langweilige Aufträge bringen Übung, neue Informationen, Anregungen und Kontakte. Auch seid Ihr ja nicht dem Thema „Südafrika“ verpflichtet, obwohl die Berichterstattung vom Kap das Ziel ist. So habe ich etwa Buchkapitel verfaßt, Werbung für Handy-Dienste geschrieben, oder Content zu Fußballforen beigetragen. Alles Aufträge, die finanzielle Sicherheit und somit (unbezahlte) Zeit für die „wirklich wichtigen“ Projekte geben. „You snooze, you loose“ wie der Südafrikaner sagt.

Ein gutes Netzwerk in Deutschland ist wichtig. So bin ich etwa nach Abschluß des Fernstudiums dem Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV) beigetreten, wo man wichtige Kontakte knüpfen kann. Auch habe ich vor jedem Heimatbesuch Termine mit neuen potentiellen Kunden arrangiert. Doch auch das Netzwerk im Land selber ist ungeheuer wichtig: Macht Euch bekannt mit den anderen deutschen Journalisten und Korrespondenten im Land, tauscht Euch aus und helft Euch gegenseitig. Es ist eine „win-win-situation“ – ihr profitiert von der Erfahrung des Anderen und könnt gemeinsam, viel besser als alleine, Interesse an speziellen Themen wecken und südafrikanische Geschichten in Deutschland „pushen“.


… und zum Schluss noch etwas „good advice“ für den Start in Südafrika:

Unterkunft
Eine Unterkunft in Südafrika ist bereits aus Deutschland einfach zu organisieren. Im Internet gibt es (sogar deutschsprachige) Foren und Anzeigenseiten, auf denen sich Wohngemeinschaften, aber auch Apartments leicht finden lassen. Generell muß man sich darauf einstellen, dass Mietpreise durchaus mit Europa vergleichbar sind – das gleiche gilt für Euer Essen, die Wäsche, die Einrichtung … aber wenn ihr fleißig arbeitet, verdient ihr schließlich auch in Euros!

Auto
Ohne Auto habt ihr in Südafrika eigentlich verloren. Außer den unzuverlässigen und vor allem gefährlichen Mini-Taxen gibt es im Land keinen nennenswerten öffentlichen Nahverkehr. Nachts ist es dringend abgeraten, zu Fuß durch die Strassen zu laufen. Aber als stets wacher und neugieriger freier Journalist ist es schließlich wichtig, so viel wie möglich unterwegs zu sein. Auch hier gibt es in Südafrika gute „Einsteigerlösungen“ wie Langzeit-Mietwagen, etwa der Käfer-Verleih in Kapstadt oder die Firma „Rent a Wreck“ in Johannesburg.

Kriminalität
Vor allem in Johannesburg, in dem ich mittlerweile lebe, solltet ihr akzeptieren, dass Ihr Euren gewohnten Lebensstil extrem anpassen müßt. Südafrikas hohe – und vor allem ungewohnt gewalttätige – Kriminalität ist keine Erfindung der Medien. Das heißt nicht, dass eine Gewöhnung unmöglich ist oder das Leben hier nicht lebenswert. Im Gegenteil. Dennoch solltet Ihr Euch schon vor Eurer Abreise unbedingt mit dem Thema auseinandersetzen. „Africa is not for sissies“, wie mich meine Kollegen gerne aufmuntern, wenn ich gerade einmal die Nase gestrichen voll habe.

(KK)

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